Raumkraut
Raumkraut

Ich
Archiv
Kontakt
Abonnieren
Neuzugänge


0.1 Lasiodora difficilis




0.2 Hierodula membranacea




10.6.10 20:56


Gemalt - Step One

Naja...
 
Bergiger Hintergrund und keine Ahnung für wen oder was.
 
Aber das kommt noch...
 
 
Ansonsten keine Weisheiten.
 
See Ya!
 
 
2.6.10 10:27


Sterben

Manche Dinge geschehen einfach, ob sie einem nun gefallen oder nicht.

Es gibt Menschen, die kämpfen dagegen an, wehren sich bis zum Letzten, egal ob sie dabei untergehen, denn es kommt ihnen nur darauf an, es versucht zu haben.

Andere stehen leicht abseits, schauen scheinbar teilnahmslos zu und irgendwann wenden sie sich ab und gehen ohne sich noch einmal umzudrehen.

Sie verabschieden sich nicht, sie erklären nichts, sie sind einfach nur verschwunden und der Wind verweht ihre Spuren und nach kurzer Zeit ist es, als wären sie nie dagewesen.

Und auch wenn es so aussieht, als wären sie unberührt, nehmen sie den Schmerz mit und jedes Mal stirbt etwas in ihnen, und das ist für alle Zeiten dahin.

Man kann jetzt natürlich nicht sagen, es wären keine Kämpfer, nur fechten sie ihre Kämpfe mit sich selbst aus und deshalb sind sie immer sowohl Gewinner wie auch Verlierer.

Ein gewisser Hang zum Leiden wohnt ihnen inne und ebenso das beruhigende Wissen, dass alles am Ende genauso unerbittlich sein wird, wie sie es immer vorausgesehen haben.

Sie träumen von einem romantischen, einsamen Tod in einem versteckten Winkel, unbemerkt von der Welt und den Menschen.

Und so stand Justus eines Tages vor den Trümmern seines Lebens.

Immer öfter ertappte er sich dabei seinen Tod zu planen.

Er suchte die Orte auf, an denen er immer gerne gewesen war und nahm wehmütig Abschied.

Stundenlang lag er zusammengekauert auf seinem Bett und überlegte sich eine angemessene Methode zu sterben.

Es müsste spektakulär sein, sollte aber auf keinen Fall wehtun.

Ein Sprung vom Hochhaus wäre ganz bestimmt atemberaubend, aber konnte er ganz sicher sein, im Moment des Aufpralls nicht alle Schmerzen des Universums zu verspüren?

Nein, konnte er nicht und deshalb wurde die Hochhaus-Idee erstmal beiseite geschoben, wenn auch noch nicht gänzlich verworfen.

Erhängen?

Auf gar keinen Fall.

Erschießen?

Abgesehen von den Problemen eine Waffe zu besorgen ist sowas auch nie wirklich sicher.

Medikamente...?

Einfach in seinem Bett einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen hatte den Vorteil, dass es vermutlich sehr human und schmerzlos wäre.

Aber irgendwas störte ihn doch bei dem Gedanken, dass es vielleicht wochenlang dauern würde, bis man ihn fand und er mittlerweile aufgedunsen wie ein Ballon wäre und stinken würde wie ein Zombie.

"Gar nicht mal so einfach..." dachte er und amüsierte sich eine Weile mit der Vorstellung, eine Handvoll Viagra zu schlucken und dann solange zu poppen bis er einen Herzkasper bekäme.

Eines Tages lernte er in einer Kneipe eine mehr als finstere Person kennen.

Justus trank mehr Bier als er vertrug und kam irgendwann auf sein Problem zu sprechen.

Sein Gegenüber hörte aufmerksam zu und als Justus geendet hatte, räusperte er sich, dachte kurz nach, räusperte sich nochmal und hatte tatsächlich einen Plan.

"Weisst du was du brauchst? Einen Auftragskiller, einen Profi, der dich irgendwann, ohne dass du weisst, wann es passieren wird, mit einem gezielten Schuss sauber und sicher ins Jenseits befördern wird. Du müsstest keine Angst haben, dass etwas schief gehen könnte, denn solche Leute verstehen ihr Handwerk, du müsstest dir über einen passenden Zeitpunkt keine Gedanken mehr machen. Verstehst du was ich meine?"

Justus nickte.

"Was würde sowas denn kosten?"

Der Fremde nannte seinen Preis und Justus fand es erheblich preiswerter als er geglaubt hatte.

"Soviel habe ich auf meinem Konto. Wenn du kurz warten würdest..."

Eine halbe Stunde später war der Deal perfekt und Justus, überzeugt das Richtige getan zu haben, füllte sich zur Feier des Tages bis zur Halskrause ab.

Komischerweise ging es ihm von da an besser. Die Last der Entscheidung und der Durchführung war ihm abgenommen und Justus bekam beinahe so etwas wie Lebensfreude zurück.

Anfangs fragte er sich noch manchmal, wann es wohl passieren würde, doch nach und nach rückte die Frage immer mehr in den Hintergrund und schließlich war Justus überzeugt, der Fremde hätte sich nur einen bösen Scherz mit ihm erlaubt und ihn um ein paar Tausender geprellt.

Aber sein neues Lebensgefühl war ihm das Geld wert und er sagte sich, dass er vermutlich schon tot wäre, wenn dieser seltsame Fremde ihn nicht vom Selbstmord abgehalten hätte.

Und was Justus nie für möglich gehalten hätte, ein paar Monate nach diesem Kneipengespräch lernte er eine Frau kennen, er verliebte sich und dann kam der Moment, als sie ihm mit geschlossenen Augen ihre Lippen entgegen hielt.

Justus schloss ebenfalls die Augen, und so sah er nicht, dass sich der kleine rote Punkt einer Laserzieleinrichtung über seinen Oberarm bewegte um schließlich an seiner Schläfe zu stoppen.

Es gab ein leises Geräusch, als das Geschoss die Fensterscheibe durchschlug und als sich eine Sekunde später ihre Lippen berührten, war Justus schon so tot wie ein Delfin in einer Thunfischdose.
 
1.6.10 13:08


Dunkel

(An hellen Orten unwahrscheinlich)


Zuerst war nichts als Stille.

Als ich meine Augen öffnete kam noch die Finsternis hinzu.

Nicht die Art von Finsternis, die durch das Umlegen eines Lichtschalters vertrieben werden kann.

Sondern eine dicke, klebrige, zähe Dunkelheit.

Ich atmete tief ein und die Luft schmeckte nach Feuchtigkeit, nach Moder und nach Verfall.

Das Geräusch meines Atemzuges drang gedämpft in meine Ohren, mehr ein Fühlen als ein Hören.

Und dann war es wieder still, für eine unendlich lange Zeit.

Ich spürte, dass ich auf dem Rücken lag, die Hände auf der Brust gekreuzt.

Ich versuchte mich zu bewegen, ganz zögerlich und sachte, nur die Spitze eines Fingers um den Bruchteil eines Millimeters, so wie man einen Brief, der eine Hiobsbotschaft bringt, nur langsam und zögernd öffnet, um den Moment, indem die Ahnung zur Gewissheit wird, so lange wie möglich hinauszuschieben.

Vielleicht hatte sich die Fingerspitze bewegt, vielleicht nicht.

Ein neuer Versuch.

Ich ließ meine Hand langsam nach unten gleiten, über kühlen, feuchten, faltigen Stoff, ließ die zweite Hand der ersten folgen, legte meine Arme an meine Körperseiten und ließ sie von da nach außen wandern.

Noch bevor ich nach wenigen Zentimetern auf ein mit Stoff bezogenes Hindernis stieß, wusste ich bereits, dass es dort sein würde.

Noch bevor ich meine Arme nach oben ausstreckte wusste ich, dass es auch über mir sein würde.

Noch bevor ich dagegen klopfte, wusste ich, dass aus schwerem, massivem Holz sein würde.

Und noch bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, wusste ich, dass ich gestorben und begraben worden war.

"Scheisse..." sagte ich und meine Stimme klang so dumpf und hohl, wie man es von einem Toten erwarten würde.

Ich konnte mir beim besten Willen nicht erklären, wann und vor allem wie das passiert sein konnte.

Vielleicht war ich gar nicht tot.

Vielleicht hatte man mich lebendig beerdigt.

Ein Gedanke, der zwar nicht viel besser wäre, der aber die Dauer dieses Zustandes erheblich absehbarer machen würde.

Dann fiel mir ein, dass ich bisher nur einmal geatmet hatte und das auch nicht weil ich den Drang verspürte, sondern nur um ein Geräusch zu erzeugen und auch jetzt hatte ich nicht das Verlangen Luft zu holen.

"Ok..." dachte ich "Warten wir einfach mal ab..."

Während ich darauf wartete, dass mein Körper nach Atemluft verlangte, zählte ich leise mit.

Bei 6000 hörte ich auf.

Ich suchte vergeblich meinen Puls, lauschte und tastete ebenso vergeblich nach meinem Herzschlag.

"Gut, du bist also tot." sagte ich "Versuche dich zu erinnern, was passiert ist."

Bruchstücke von zusammenhanglosen Szenen blitzen in meinem Kopf auf, zuerst völlig wirr und ungeordnet, doch dann schaffte ich es, eine dieser Szenen zeitlich einzusortieren und daran anzuknüpfen.

Stück für Stück rekonstruierte ich mein Leben bis ich an den Punkt kam, nach dem meine Erinnerungen abrissen.

Frühjahr 2010, die 50er Packung Viagra, 18 Stunden Dauermasturbation, der Stich im Herzen, der Tunnelblick, das Gefühl, wie durch Watte zur Decke zu schweben...

Und dann Dunkelheit.

Keine Stimme, die mich aufforderte ins Licht zu treten, keine nebulösen Gestalten die mich geleiteten, kein alter Mann mit Rauschebart, der das goldene Himmelstor für mich öffnete.

"Verdammt, ich wusste, dass ich es eines Tages übertreiben würde..." dachte ich.

Ich fasste mir zwischen die Beine, in der Hoffnung, das Viagra würde bis über den Tod hinaus wirken.

Aber leider...

"Naja, wäre auch zu schön gewesen..." seufzte ich.

Dann drehte ich mich auf die Seite und versuchte eine Weile zu schlafen.
18.5.10 13:28


Jammerlappen

 
Meinen kleinen Grippeanfall habe ich weggesteckt wie ein echter Kerl, habe qua-si so gut wie gar nicht gejammert und mir selbst auch nicht mehr leid getan als sonst.

Denn wenn ich mal eins niemals mache, dann ist das mich selbst zu bemitleiden.

Obwohl...

Verdient hätte ich es ja schon und zwar mehr als jeder andere Mensch und vor allem mehr als diese Jammerlappen, die ständig mit weinerlicher Miene herumlaufen und allen und jedem ihr Leid verkünden.

Da triffst du z.B. jemanden beim Einkaufen.

Weil du höflich bist und nicht etwa weil es dich wirklich interessiert, fragst du wie es denn so ginge.

Die Antwort ist dann ein gedehntes "Och joooooooooo..." wozu sich der Gesichtsausdruck simultan in die Länge zieht und den Eindruck vermittelt, der/die Betreffende hätte Verstopfung und am Morgen schlecht gekackt.

Meist begehst du dann den Fehler zu fragen, was denn los wäre, worauf zuerst ein mitleidheischendes "Neeeeeeeee...alles in Ordnung" folgt und dann eine mehr als detaillierte Schilderung dessen, wie übel die Welt dieser bedauernswerten Person mitgespielt hat.

Angefangen vom Ziehen im linken Bein bis hin zu den unfreundlichen Nachbarn und der vergeblichen Suche nach dem Mann/der Frau fürs Leben.

Inzwischen hasst du dieses Weichei wie die Pest und vor allem hasst du dich selbst, weil du mal wieder die Klappe nicht halten konntest.

Während du so tust, als würdest du weiter zuhören, verlieren sich deine Gedanken irgendwo zwischen der angenehmen Vorstellung deiner Faust im Gesicht dieses Warmduschers und der Planung des nächsten Wochenendes.

Wenn du damit durch bist, ist der Punkt erreicht an dem du dich in eine verbale Lücke schiebst und irgendwas Tröstendes sagst, etwa sowas wie: "Na prima, schön dass bei dir alles in Ordnung ist" und lässt sie/ihn da stehen wie einen Schluck lauwarmes Wasser.

Ich finde, es ist ein gutes Gefühl, ein offenes Ohr für die Wehwehchen seiner Mitmenschen zu haben, aber ein noch besseres Gefühl ist, wenn man es nicht hat.

Denn, hat etwa einer dieser Ignoranten Mitleid mit dir?

Eben...

17.4.10 15:27


Paranormal

Zugegeben, ich habe nicht studiert und bin sicherlich nicht der klügste Mensch der Welt.

Aber ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen.

Und ich wäre niemals auf die Idee gekommen, diesen karierten Blödsinn von Hellsehen, Horoskopen und Wiedergeburt zu glauben.

Es war deshalb ein schwerer Schlag für mich, als ich herausfand, dass meine Frau total auf diesen Schwachsinn abfuhr und wäre fast durchgedreht, denn wer möchte schon mit einem Hirni verheiratet sein?

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt." zitierte sie, um mir zu zeigen, dass sie ein Jahr länger zur Schule gegangen war als ich.

Als Antwort zeigte ich ihr einen Vogel.

Wenn ich etwas nicht vertragen kann, so sind das naseweise Emanzen.

Aber sie ließ nicht locker. Tag und Nacht quälte sie mich mit Spuk-Spinnereien.

Sie brachte Bücher über Papapsychologie nach Hause, ich steckte sie in den Ofen.

Sie stellte den Fernseher an, als eine Sendung über Esoterik lief und ich warf den Glotzkasten aus dem Fenster.

Einmal brachte sie sogar einen Kerl mit "übersinnlicher Begabung" mit. Ich gab ihm sofort einen Magenhaken, dass er in sich zusammenfiel wie ein Kartenhaus.

Verdammte ESP-Tunte.

"Wehr dich nicht gegen die Wahrheit." sagte sie, als ich ihre Haare anzündete und "Schei nischt scho schtur." nuschelte sie, als ich ihr den Mund mit einem Pflaster verklebte, um endlich einmal Ruhe im Haus zu haben.

Eines Tages zeigte sie mir die Anzeige in einer Eso-Zeitschrift, in der Freiwillige für ein Psycho-Experiment gesucht wurden - für Geld.

Meine Frau fragte mich, ob wir daran teilnehmen wollten.

"Warum nicht?" antwortete ich "Wenn diese Typen so doof sind, dafür gutes Geld auszugeben..."

Darüber war sie so sprachlos, dass ihr der Mund offenstand.

Am nächsten Tag fuhren wir zu diesem Schwachsinns-Institut.

Bei dem Experiment ging es darum, ob Leute, die sich schon lange kennen, gegenseitig die Gedanken lesen können.

"Ja." sagte meine Frau und ich gähnte nur, um den Typen zu zeigen, wie sehr ich sie verachtete.

Und dann ging es los.

Sie steckten mich in einen Verschlag und gaben mir ein Kartenspiel, meine Frau kam in eine andere Kammer, so dass wir uns nicht sehen konnten.

Meine Aufgabe war es nun, mich auf eine Karte zu konzentrieren und sie sollte die Karte in Gedanken "sehen".

Na schön, ich konzentrierte mich so sehr, dass ich fast einschlief.

Um mich wachzuhalten drückte ich auf die Klingel um mir ein Bier servieren zu lassen.

Das Mausi, das das Bier brachte, warf mich fast um.

Mannomann...wow.

Gebaut wie eine Million Euro und Kurven wie ein Rennpferd.

Heiliger Bimbam.

Als sie wieder abgesaust war, konnte ich mich natürlich nicht mehr auf die dämlichen Karten konzentrieren, sondern ich stellte mir vor, was wir alles anstellen könnten...im Mondschein...auf der Gartenbank.

Ich war mitten im schönsten Denken, als plötzlich die Türe aufgerissen wurde und meine Frau hereinstürmte, wild wie ein nasses Huhn.

"Das werde ich dir austreiben...DU LUSTMOLCH." brüllte sie und knallte mir einen Stuhl über den Schädel.

Dann sank sie in sich zusammen.

"Wieso denkst du sowas nie über mich?" schluchzte sie während ich den Abendstern 1000 Mal aufgehen sah.

Und gleichzeitig ging mir auf, das Miststück hatte tatsächlich meine Gedanken gelesen.

Plötzlich schämte ich mich für meine Skepsis.

Ich sah meinen Irrtum ein, wurde ein Bekehrter, ein Glaubender, meine Seele war so offen wie meine Kopfhaut (die mit 12 Stichen genäht werden musste).

Und ich wusste, dass dieses Erlebnis alles verändern würde...mein Leben, mein Denken, meine Ehe.

Und das hat es auch.

Denn meine Frau sah ich danach nur noch ein einziges Mal wieder.

Bei unserem Scheidungstermin.

 

15.4.10 10:47


Schwarze Sonne

"Das Feuer geht aus." rief Punjel "Was sollen wir tun? Du kannst nichts mehr erschaffen, wenn wir nichts sehen."

"Ich mache das Feuer morgen früh wieder an. Wenn ich dann die Menschen erschaffen habe, werden sie es Sonne nennen." sagte Baiame "Das Feuer wird jeden Abend aus- und jeden Morgen angehen. Die Menschen werden wissen, dass sie aus ihrem Schlaf erwachen müssen, wenn die Sonne kommt."

"Was ist Schlaf?" fragte Punjel.

"Es ist wie der Tod, aber es ist nicht der Tod." erklärte Baiame "Das Leben macht die Menschen müde. Sie müssen sich vom Leben ausruhen."

"Wie merkwürdig." sagte Punjel.

Eine ewig lange Zeit hielt Baiame diesen Zyklus von Tag und Nacht aufrecht, bis er irgendwann einfach keine Lust mehr hatte.

"Wieso machst du das Feuer heute früh nicht an?" fragte Punjel.

"Ich mag nicht mehr." antwortete Baiame "Die Menschen langweilen mich. Lass uns eine neue Welt suchen und ganz von vorne anfangen."

"Wie du willst." sagte Punjel und sie erhoben sich und gingen davon.

...

Als ich an diesem Tag erwachte war irgendwas anders als sonst.

Es war noch dunkel.

Ich knipste das Licht an und sah auf die Uhr.

"Hm...halb 10 durch...kann ja wohl nicht sein." murmelte ich und stand auf um hinauszusehen.

Kein Zweifel, es musste noch mitten in der Nacht sein.

Trotzdem standen Menschen auf der Strasse, redeten aufgeregt miteinander und deuteten immer wieder auf den Himmel.

Ich zog mich an und ging hinaus.

Und dort erfuhr ich, dass offensichtlich die Sonne nicht aufgegangen war.

"Ihr spinnt doch." sagte ich und tippte mir mit dem Zeigefinger an die Stirn "Das würde ja bedeuten, dass die Erde nicht mehr rotiert und wir hier ständig Nacht hätten und die Asiaten ständig Tag."

"Ach ja? Dann schalte doch mal den Fernseher ein, du Schlaumeier. Es ist Nacht auf der GANZEN Welt."

"Das ist völlig unmöglich."

"Kann ja sein. Nur schade, dass die Sonne davon nichts weiss."

Ich ging zurück in meine Wohnung und knipste den Fernseher an. Auf allen Kanälen Sondersendungen.

Die Sonne war tatsächlich erloschen und dann, aufgrund des fehlenden Gasdrucks, unter ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammengestürzt und lag nun, kalt und tot, als schwarzer Zwerg im All.

Innerhalb weniger Stunden wurde es kalt.

Und damit meine ich RICHTIG kalt.

In meiner Wohnung waren es 12 Grad unter null.

Gas- und Wasserleitungen waren längst eingefroren.

Dann fiel der Strom aus und es herrschte Finsternis.

Ich setzte mich, in drei Lagen Kleidung und mehrere Decken gehüllt, vor den Herd und verbrannte im Backofen meine Bücher, ein paar Möbel und was sich sonst an brennbarem Material fand.

Draussen war die Temperatur weiter gefallen.

Die Fensterscheiben hatten dem Sturm nicht mehr standgehalten und Schnee, durchsetzt mit nadelspitzen Eiskristallen, fegte durch meine Räume.

Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr. Ich legte kein Holz mehr nach und sah zu wie das Feuer im Backofen langsam ausbrannte.

Ich ging in mein Schlafzimmer, dessen Fenster ich mit einem leeren Bücherregal verbarrikadiert hatte, so dass es schneefrei geblieben war, zog mich aus und legte mich ins eiskalte Bett.

"Wenigstens soll erfrieren ja gar nicht so schlimm sein." sagte ich und rollte mich zusammen.

Während meine Körperfunktionen immer langsamer wurden dachte ich an einen warmen Sommertag vor langer Zeit und freute mich darauf, endlich schlafen zu können.


14.4.10 09:50


 [eine Seite weiter]


Designed by Raumkraut

Gratis bloggen bei
myblog.de