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Schwarze Sonne

"Das Feuer geht aus." rief Punjel "Was sollen wir tun? Du kannst nichts mehr erschaffen, wenn wir nichts sehen."

"Ich mache das Feuer morgen früh wieder an. Wenn ich dann die Menschen erschaffen habe, werden sie es Sonne nennen." sagte Baiame "Das Feuer wird jeden Abend aus- und jeden Morgen angehen. Die Menschen werden wissen, dass sie aus ihrem Schlaf erwachen müssen, wenn die Sonne kommt."

"Was ist Schlaf?" fragte Punjel.

"Es ist wie der Tod, aber es ist nicht der Tod." erklärte Baiame "Das Leben macht die Menschen müde. Sie müssen sich vom Leben ausruhen."

"Wie merkwürdig." sagte Punjel.

Eine ewig lange Zeit hielt Baiame diesen Zyklus von Tag und Nacht aufrecht, bis er irgendwann einfach keine Lust mehr hatte.

"Wieso machst du das Feuer heute früh nicht an?" fragte Punjel.

"Ich mag nicht mehr." antwortete Baiame "Die Menschen langweilen mich. Lass uns eine neue Welt suchen und ganz von vorne anfangen."

"Wie du willst." sagte Punjel und sie erhoben sich und gingen davon.

...

Als ich an diesem Tag erwachte war irgendwas anders als sonst.

Es war noch dunkel.

Ich knipste das Licht an und sah auf die Uhr.

"Hm...halb 10 durch...kann ja wohl nicht sein." murmelte ich und stand auf um hinauszusehen.

Kein Zweifel, es musste noch mitten in der Nacht sein.

Trotzdem standen Menschen auf der Strasse, redeten aufgeregt miteinander und deuteten immer wieder auf den Himmel.

Ich zog mich an und ging hinaus.

Und dort erfuhr ich, dass offensichtlich die Sonne nicht aufgegangen war.

"Ihr spinnt doch." sagte ich und tippte mir mit dem Zeigefinger an die Stirn "Das würde ja bedeuten, dass die Erde nicht mehr rotiert und wir hier ständig Nacht hätten und die Asiaten ständig Tag."

"Ach ja? Dann schalte doch mal den Fernseher ein, du Schlaumeier. Es ist Nacht auf der GANZEN Welt."

"Das ist völlig unmöglich."

"Kann ja sein. Nur schade, dass die Sonne davon nichts weiss."

Ich ging zurück in meine Wohnung und knipste den Fernseher an. Auf allen Kanälen Sondersendungen.

Die Sonne war tatsächlich erloschen und dann, aufgrund des fehlenden Gasdrucks, unter ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammengestürzt und lag nun, kalt und tot, als schwarzer Zwerg im All.

Innerhalb weniger Stunden wurde es kalt.

Und damit meine ich RICHTIG kalt.

In meiner Wohnung waren es 12 Grad unter null.

Gas- und Wasserleitungen waren längst eingefroren.

Dann fiel der Strom aus und es herrschte Finsternis.

Ich setzte mich, in drei Lagen Kleidung und mehrere Decken gehüllt, vor den Herd und verbrannte im Backofen meine Bücher, ein paar Möbel und was sich sonst an brennbarem Material fand.

Draussen war die Temperatur weiter gefallen.

Die Fensterscheiben hatten dem Sturm nicht mehr standgehalten und Schnee, durchsetzt mit nadelspitzen Eiskristallen, fegte durch meine Räume.

Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr. Ich legte kein Holz mehr nach und sah zu wie das Feuer im Backofen langsam ausbrannte.

Ich ging in mein Schlafzimmer, dessen Fenster ich mit einem leeren Bücherregal verbarrikadiert hatte, so dass es schneefrei geblieben war, zog mich aus und legte mich ins eiskalte Bett.

"Wenigstens soll erfrieren ja gar nicht so schlimm sein." sagte ich und rollte mich zusammen.

Während meine Körperfunktionen immer langsamer wurden dachte ich an einen warmen Sommertag vor langer Zeit und freute mich darauf, endlich schlafen zu können.


14.4.10 09:50
 


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