Raumkraut
Raumkraut

Ich
Archiv
Kontakt
Abonnieren
12.000 BC

(Als wäre es gerade gestern gewesen)

Wieder einmal hatten Ugluk der Starke und sein Bruder Sok ihre Holzspeere geschultert und taperten durch die Gegend um etwas zum Essen zu finden.

Sie hatten die Höhle schon früh am Morgen verlassen doch bisher nichts Essbares erlegen können.

Inzwischen war es schon Viertel Zack vor Schmirk, was nach unserer Zeitrechnung etwa halb Fünf am Nachmittag entsprach.

Ugluks Magen knurrte so laut wie ein Höhlenlöwe und Sok war dabei jedes Mal voller Angst zusammengezuckt und hatte sich auch einmal sein Bärenfell vollgekackt.

Natürlich beeindruckte ihn das nicht weiter, denn mit am Hintern klebenden Exkrementen zum Abendessen zu erscheinen, gehörte damals noch zum guten Ton und wurde geradezu erwartet.

Nicht umsonst lautete der in der Steinzeit am häufigsten zitierte Sinnspruch: "Ghn´ok ras puh´tin Schlemm."

Was am treffendsten mit "Eine gesunde Verdauung ist wichtiger als guter Geruch." übersetzt werden kann.

Die Höhlensprache hatte in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung erfahren und neben den bisher gebräuchlichen Grunzlauten, die in der Regel lediglich Ausdrücke für Essen, Sex und Steine kannte, wurde durch die Einführung der Furzlaute das Spektrum nicht nur um alles erweitert, was sich mit Verdauung befasste, sondern irgendwann (so um den 20. März 42.000 v. Chr) hatte ein musisch veranlagter Höhlenmensch die Titelmelodie von Indiana Jones gepupst und damit das Zeitalter der Musik eingeläutet.

Dass auch er sich dabei das Fell versaute, trug nur zu seiner Popularität bei und Stücke dieses Fells wurden später unter Fans relativ hoch gehandelt.

Dies aber nur am Rande, da es eine nur sehr rudimentäre Relevanz für unsere Geschichte besitzt.

Nachdem Ugluk und Sok wieder mal um einen Felsbrocken titanischen Ausmaßes bogen, entdeckten sie die Spuren von zwei Höhlenigeln (Erinaceus hoehlensis), den einzigen Tieren damals, denen sie körperlich wie intellektuell gewachsen waren.

"Yamm." grunzte Ugluk, was sowohl Essen wie auch Igel bedeutete.

Sofort boten sie ein Bild gespannter Aufmerksamkeit und sahen sich um.

Dann schlichen sie vorsichtig weiter, immer den kleinen Trippelschritten hinterher.

Während die eine Spur relativ geradlinig verlief, machte die andere ständig Kurven und Schlenker, als hätte der sie verursachende Igel Tollkirschen und Fliegenpilze gefressen.

Der tatsächliche Grund war, dass der eine Igel ein Weibchen, der andere ein Bock war, der ständig werbend um sie herumgerannt ist.

Dann blieb Ugluk, der voran ging, mit einem Ruck stehen.

Sok schaute ihm über die Schulter und sah sofort die 2 Igel, die vor einem Stein hockten und gerade heftig kopulierten.

"Yamm." flüsterte Sok, was sowohl Sex wie auch Igel bedeutete.

Er wollte die Igel aufessen, doch Ugluk hielt ihn zurück.

In seinem Gehirn formten sich Begriffe wie Liebe, Zuneigung, Wärme, Zärtlichkeit und das Recht auf sexuelle Erfüllung und sofort begann er seinem Bruder davon zu erzählen und davon, dass sie das traute Igelpaar jetzt unmöglich stören konnten, was angesichts seiner verbalen Möglichkeiten eine Meisterleistung war.

Sok stieß ihn beiseite und biss den Igeln die Köpfe ab.

Dann kratzte er sich mit dem einen am Hintern und bot ihn (den Igel) Ugluk an.

Dieser überlegte kurz, ob er eine Grundsatzdiskussion beginnen, also Sok die Zähne einschlagen sollte, zuckte dann aber nur mit den Achseln, zog seinem Igel das Stachelfell ab und aß ihn auf.

Dann machten sie sich auf den langen Heimweg.

Ugluk dachte über die neuen Begriffe nach, für die es in ihrer Sprache noch keine Wörter gab und spontan entschloss er sich, sie "Yamm" zu nennen, was Gefühle, aber auch Igel bedeutete.

9.4.10 00:26
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Designed by Raumkraut

Gratis bloggen bei
myblog.de