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Sonne

 

Weshalb sich alle Welt vor Freude beinahe in die Hose pinkelt, nur weil die Wolken die Aussicht auf einen 8,3 Lichtminuten entfernten Wasserstoffball freigeben, weiss ich nicht.

Warum aber letzte Tage die Sonne schien, das KANN sich nur folgendermaßen abgespielt haben:

Gott hatte mal wieder einen beschissenen Tag.

Die letzte Nacht war er versehentlich auf einer Gewitterwolke eingeschlafen und die Blitze pieksten ihm ununterbrochen in den Hintern so dass er keine wirkliche Ruhe gefunden hatte, beim Seelenlotto war der Jackpot an Luzifer gegangen während Gott in die Röhre sehen konnte und seine Frau nörgelte.

Er hatte es schon beim Frühstück bemerkt.

Sie sah ihn wortlos über ihre Schale Ambrosia hinweg an und ihr Schweigen sagte ihm alles.

Es war also mal wieder so weit.

Hastig schlang er sein Manna hinunter und wollte sich gerade verdrückten, da fing sie an.

"Kann ich dich mal einen Moment sprechen?" fragte sie, aber ihre Frage klang eindeutig wie ein Befehl.

"Ähm..." machte er und zupfte sich nervös den langen Bart "Ich bin wirklich in Eile. Weisst du, ich soll Autogramme bei einer Kircheneinweihung geben, bin zu 3 Opferfesten eingeladen und auf meinem Schreibtisch türmen sich die Bittgesuche."

"Das kann warten." bestimmte sie.

"Aber wenn ich zu spät komme, und die ohne mich anfangen...?" machte er einen letzten, schwachen Versuch und verdrehte resignierend die Augen "Also gut, was hast du auf dem Herzen?"

"Ich kann dieses weiße Wolken-Geflausche hier nicht mehr sehen. Ich will dass wir hier umbauen, ich will Farbe an den Wänden. Und ich will ein paar Möbel. Ist dir mal aufgefallen, dass hier nur dein Thron rumsteht? Wir können ja nicht mal Gäste einladen, weil die stehen müssten."

"Wen willst du denn einladen?" fragte Gott genervt, weil er Gäste eigentlich gar nicht mochte.

"Zum Beispiel Odin und seine Frau. Als wir kürzlich in Asgard zu Besuch waren hatten wir doch ne Menge Spaß." sagte seine Frau und ein leichtes Grinsen huschte über ihre Lippen.

"Ja, DU hattest Spaß." zischte Gott "Weil dich dieser manierlose Rüpel die ganze Zeit angegraben hat. Ich durfte mir unterdessen die dämlichen Witze von Thor anhören. Nix da, dieser ungewaschene Haufen kommt mir nicht ins Haus."

"Ok, dann laden wir Baal und Mithras ein."

"WAAAS? Diese Fruchtbarkeitsfetischisten, die permanent mit erigiertem Schwengel rumlaufen? Never ever!!!"

"Wen sollen wir denn dann einladen?"

"Wie wäre es mit den Römern?"

"Die sind ja noch langweiliger als du. Warum nicht gleich die Tucken vom Olymp???" brauste Frau Gott auf.

"Beruhige dich..." sagte Gott und hob beschwichtigend die Arme.

"Darüber diskutieren wir später." sagte sie "Was ist jetzt mit der Renovierung?"

"Wie stellst du dir das vor?" fragte Gott.

"Dieses ganze Wolkenambiente kotzt mich an. Das fliegt raus. Dafür will ich was modernes, mit klaren Linien, Chrom und Metall. Luzi hat gerade ein paar Designer reingekriegt und..."

"Moooment mal." wurde sie unterbrochen "Du nennst ihn LUZI? Wieso nennst du ihn Luzi? Und wieso redest du hinter meinem Rücken mit ihm? Er ist immer noch unser Erzfeind."

"Och..." machte Frau Gott "Ich finde ihn ganz nett. Er ist witzig, eloquent, interessant, nicht so ein Erbsenzähler wie du..."

Gott lief vor Wut rot an, griff sich einen Blitz und zerbrach ihn über dem Knie.

"Das kannst du knicken mit der Renovierung. Ständig setzt Luzifer den Leuten Flausen ins Ohr. Denk nur mal an die Sache mit dem Apfel damals..."

"Boah, das ist doch schon 5.000 Jahre her."

"Das ist mir egal. Nein heisst bei mir immer noch NEIN."

"Ja ja...schauen wir mal..." sagte Frau Gott.

"Ich muss jedenfalls los." bemerkte Gott nach einem Blick auf seine Armbanduhr.

"Aber mir ist langweilig." nörgelte sie weiter.

"Dann sieh fern. Irgendwo wird sich doch auf der Erde ein spannender Krieg finden lassen." schlug Gott vor.

"Wie denn? Seit Wochen hängen Wolken am Himmel rum und man sieht GAR NIX."

"Um Gottes Willen. Sag das doch gleich..." seufzte Gott und schob mit einer Handbewegung die Wolken beiseite.

Frau Gott sagte nichts mehr sondern wartete, bis ihr Mann zur Arbeit war.

Dann nahm sie das Telefon, wählte Luzifers Nummer und verbrachte die nächsten Stunden mit seiner charmanten Stimme im Ohr.

 

19.1.10 09:44
 


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