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Sterben

Manche Dinge geschehen einfach, ob sie einem nun gefallen oder nicht.

Es gibt Menschen, die kämpfen dagegen an, wehren sich bis zum Letzten, egal ob sie dabei untergehen, denn es kommt ihnen nur darauf an, es versucht zu haben.

Andere stehen leicht abseits, schauen scheinbar teilnahmslos zu und irgendwann wenden sie sich ab und gehen ohne sich noch einmal umzudrehen.

Sie verabschieden sich nicht, sie erklären nichts, sie sind einfach nur verschwunden und der Wind verweht ihre Spuren und nach kurzer Zeit ist es, als wären sie nie dagewesen.

Und auch wenn es so aussieht, als wären sie unberührt, nehmen sie den Schmerz mit und jedes Mal stirbt etwas in ihnen, und das ist für alle Zeiten dahin.

Man kann jetzt natürlich nicht sagen, es wären keine Kämpfer, nur fechten sie ihre Kämpfe mit sich selbst aus und deshalb sind sie immer sowohl Gewinner wie auch Verlierer.

Ein gewisser Hang zum Leiden wohnt ihnen inne und ebenso das beruhigende Wissen, dass alles am Ende genauso unerbittlich sein wird, wie sie es immer vorausgesehen haben.

Sie träumen von einem romantischen, einsamen Tod in einem versteckten Winkel, unbemerkt von der Welt und den Menschen.

Und so stand Justus eines Tages vor den Trümmern seines Lebens.

Immer öfter ertappte er sich dabei seinen Tod zu planen.

Er suchte die Orte auf, an denen er immer gerne gewesen war und nahm wehmütig Abschied.

Stundenlang lag er zusammengekauert auf seinem Bett und überlegte sich eine angemessene Methode zu sterben.

Es müsste spektakulär sein, sollte aber auf keinen Fall wehtun.

Ein Sprung vom Hochhaus wäre ganz bestimmt atemberaubend, aber konnte er ganz sicher sein, im Moment des Aufpralls nicht alle Schmerzen des Universums zu verspüren?

Nein, konnte er nicht und deshalb wurde die Hochhaus-Idee erstmal beiseite geschoben, wenn auch noch nicht gänzlich verworfen.

Erhängen?

Auf gar keinen Fall.

Erschießen?

Abgesehen von den Problemen eine Waffe zu besorgen ist sowas auch nie wirklich sicher.

Medikamente...?

Einfach in seinem Bett einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen hatte den Vorteil, dass es vermutlich sehr human und schmerzlos wäre.

Aber irgendwas störte ihn doch bei dem Gedanken, dass es vielleicht wochenlang dauern würde, bis man ihn fand und er mittlerweile aufgedunsen wie ein Ballon wäre und stinken würde wie ein Zombie.

"Gar nicht mal so einfach..." dachte er und amüsierte sich eine Weile mit der Vorstellung, eine Handvoll Viagra zu schlucken und dann solange zu poppen bis er einen Herzkasper bekäme.

Eines Tages lernte er in einer Kneipe eine mehr als finstere Person kennen.

Justus trank mehr Bier als er vertrug und kam irgendwann auf sein Problem zu sprechen.

Sein Gegenüber hörte aufmerksam zu und als Justus geendet hatte, räusperte er sich, dachte kurz nach, räusperte sich nochmal und hatte tatsächlich einen Plan.

"Weisst du was du brauchst? Einen Auftragskiller, einen Profi, der dich irgendwann, ohne dass du weisst, wann es passieren wird, mit einem gezielten Schuss sauber und sicher ins Jenseits befördern wird. Du müsstest keine Angst haben, dass etwas schief gehen könnte, denn solche Leute verstehen ihr Handwerk, du müsstest dir über einen passenden Zeitpunkt keine Gedanken mehr machen. Verstehst du was ich meine?"

Justus nickte.

"Was würde sowas denn kosten?"

Der Fremde nannte seinen Preis und Justus fand es erheblich preiswerter als er geglaubt hatte.

"Soviel habe ich auf meinem Konto. Wenn du kurz warten würdest..."

Eine halbe Stunde später war der Deal perfekt und Justus, überzeugt das Richtige getan zu haben, füllte sich zur Feier des Tages bis zur Halskrause ab.

Komischerweise ging es ihm von da an besser. Die Last der Entscheidung und der Durchführung war ihm abgenommen und Justus bekam beinahe so etwas wie Lebensfreude zurück.

Anfangs fragte er sich noch manchmal, wann es wohl passieren würde, doch nach und nach rückte die Frage immer mehr in den Hintergrund und schließlich war Justus überzeugt, der Fremde hätte sich nur einen bösen Scherz mit ihm erlaubt und ihn um ein paar Tausender geprellt.

Aber sein neues Lebensgefühl war ihm das Geld wert und er sagte sich, dass er vermutlich schon tot wäre, wenn dieser seltsame Fremde ihn nicht vom Selbstmord abgehalten hätte.

Und was Justus nie für möglich gehalten hätte, ein paar Monate nach diesem Kneipengespräch lernte er eine Frau kennen, er verliebte sich und dann kam der Moment, als sie ihm mit geschlossenen Augen ihre Lippen entgegen hielt.

Justus schloss ebenfalls die Augen, und so sah er nicht, dass sich der kleine rote Punkt einer Laserzieleinrichtung über seinen Oberarm bewegte um schließlich an seiner Schläfe zu stoppen.

Es gab ein leises Geräusch, als das Geschoss die Fensterscheibe durchschlug und als sich eine Sekunde später ihre Lippen berührten, war Justus schon so tot wie ein Delfin in einer Thunfischdose.
 
1.6.10 13:08


Gemalt - Step One

Naja...
 
Bergiger Hintergrund und keine Ahnung für wen oder was.
 
Aber das kommt noch...
 
 
Ansonsten keine Weisheiten.
 
See Ya!
 
 
2.6.10 10:27


Neuzugänge


0.1 Lasiodora difficilis




0.2 Hierodula membranacea




10.6.10 20:56





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