Raumkraut
Raumkraut

Ich
Archiv
Kontakt
Abonnieren
12.000 BC

(Als wäre es gerade gestern gewesen)

Wieder einmal hatten Ugluk der Starke und sein Bruder Sok ihre Holzspeere geschultert und taperten durch die Gegend um etwas zum Essen zu finden.

Sie hatten die Höhle schon früh am Morgen verlassen doch bisher nichts Essbares erlegen können.

Inzwischen war es schon Viertel Zack vor Schmirk, was nach unserer Zeitrechnung etwa halb Fünf am Nachmittag entsprach.

Ugluks Magen knurrte so laut wie ein Höhlenlöwe und Sok war dabei jedes Mal voller Angst zusammengezuckt und hatte sich auch einmal sein Bärenfell vollgekackt.

Natürlich beeindruckte ihn das nicht weiter, denn mit am Hintern klebenden Exkrementen zum Abendessen zu erscheinen, gehörte damals noch zum guten Ton und wurde geradezu erwartet.

Nicht umsonst lautete der in der Steinzeit am häufigsten zitierte Sinnspruch: "Ghn´ok ras puh´tin Schlemm."

Was am treffendsten mit "Eine gesunde Verdauung ist wichtiger als guter Geruch." übersetzt werden kann.

Die Höhlensprache hatte in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung erfahren und neben den bisher gebräuchlichen Grunzlauten, die in der Regel lediglich Ausdrücke für Essen, Sex und Steine kannte, wurde durch die Einführung der Furzlaute das Spektrum nicht nur um alles erweitert, was sich mit Verdauung befasste, sondern irgendwann (so um den 20. März 42.000 v. Chr) hatte ein musisch veranlagter Höhlenmensch die Titelmelodie von Indiana Jones gepupst und damit das Zeitalter der Musik eingeläutet.

Dass auch er sich dabei das Fell versaute, trug nur zu seiner Popularität bei und Stücke dieses Fells wurden später unter Fans relativ hoch gehandelt.

Dies aber nur am Rande, da es eine nur sehr rudimentäre Relevanz für unsere Geschichte besitzt.

Nachdem Ugluk und Sok wieder mal um einen Felsbrocken titanischen Ausmaßes bogen, entdeckten sie die Spuren von zwei Höhlenigeln (Erinaceus hoehlensis), den einzigen Tieren damals, denen sie körperlich wie intellektuell gewachsen waren.

"Yamm." grunzte Ugluk, was sowohl Essen wie auch Igel bedeutete.

Sofort boten sie ein Bild gespannter Aufmerksamkeit und sahen sich um.

Dann schlichen sie vorsichtig weiter, immer den kleinen Trippelschritten hinterher.

Während die eine Spur relativ geradlinig verlief, machte die andere ständig Kurven und Schlenker, als hätte der sie verursachende Igel Tollkirschen und Fliegenpilze gefressen.

Der tatsächliche Grund war, dass der eine Igel ein Weibchen, der andere ein Bock war, der ständig werbend um sie herumgerannt ist.

Dann blieb Ugluk, der voran ging, mit einem Ruck stehen.

Sok schaute ihm über die Schulter und sah sofort die 2 Igel, die vor einem Stein hockten und gerade heftig kopulierten.

"Yamm." flüsterte Sok, was sowohl Sex wie auch Igel bedeutete.

Er wollte die Igel aufessen, doch Ugluk hielt ihn zurück.

In seinem Gehirn formten sich Begriffe wie Liebe, Zuneigung, Wärme, Zärtlichkeit und das Recht auf sexuelle Erfüllung und sofort begann er seinem Bruder davon zu erzählen und davon, dass sie das traute Igelpaar jetzt unmöglich stören konnten, was angesichts seiner verbalen Möglichkeiten eine Meisterleistung war.

Sok stieß ihn beiseite und biss den Igeln die Köpfe ab.

Dann kratzte er sich mit dem einen am Hintern und bot ihn (den Igel) Ugluk an.

Dieser überlegte kurz, ob er eine Grundsatzdiskussion beginnen, also Sok die Zähne einschlagen sollte, zuckte dann aber nur mit den Achseln, zog seinem Igel das Stachelfell ab und aß ihn auf.

Dann machten sie sich auf den langen Heimweg.

Ugluk dachte über die neuen Begriffe nach, für die es in ihrer Sprache noch keine Wörter gab und spontan entschloss er sich, sie "Yamm" zu nennen, was Gefühle, aber auch Igel bedeutete.

9.4.10 00:26


Obdachlos

Langsam zogen die dicken Wolken weiter und der Vollmond nutzte die Gelegenheit und beleuchtete den kleinen Park und die zwei Gestalten, die dort auf einer Bank saßen und sich bereits seit einiger Zeit anschwiegen.

Mitternacht war längst vorüber und die Luft war durchzogen von feuchten, schweren Nebelschwaden.

"Stadtsanierung..." höhnte Willi plötzlich und zitierte, wohl zum 1000sten Mal, die Mitteilung, die sie vor mehreren Wochen an den Toren ihres Friedhofs gefunden hatten: "Aufgrund dringender Baumaßnahmen im Zuge der Stadtsanierung, wird der Alte Friedhof in Kürze verlegt und damit Teil des Zentralfriedhofs. Wir werden uns bemühen, die Struktur des Alten Friedhofs so getreu wie möglich in den Zentralfriedhof zu integrieren und versichern Ihnen, dass Ihre werten Verstorbenen auch in ihrem neuen Zuhause in Frieden ruhen werden."

"Ich weiss..." sagte Horst "Du redest ja ununterbrochen davon."

"Niemand ruht in Frieden." brauste Willi auf "Die haben nur die Grabsteine abtransportiert und den Rest übergebügelt. Zubetoniert. Das wäre ja lustig gewesen, wenn wir in unseren Gräbern gewesen wären und uns 200 Jahre lang mit den Fingernägeln durch 50 cm Beton hätten kratzen müssen."

"Du hast noch Fingernägel?" fragte Horst.

"Nein...das ist es ja gerade..." antwortete Willi und knabberte an seinen faulenden Fingerstummeln.

Eine Weile saßen die beiden Zombies wieder schweigend nebeneinander und jeder hing seinen trüben Gedanken nach.

"Weisst du..." sagte Horst "Ich finde es gar nicht mal so schlecht hier..."

"Ach, und anstatt in deinem gemütlichen, warmen und trockenen Sarg zu schlafen, liegst du hier lieber in der kalten, feuchten Erde unter dem Rhododendron und puhlst dir Kellerasseln und Regenwürmer aus der Nase?"

"Nein, das nicht." gab Host zu "Und wenn ich noch leben würde, hätte ich jetzt wahrscheinlich Rheuma vom Allerübelsten. Aber bald wird es nachts wärmer sein und dann schläft bestimmt ab und zu ein Penner hier und ehrlich gesagt würde ich gerne mal wieder Menschenfleisch essen und nicht immer nur Regenwürmer und Asseln."

"Und da fällt dir nichts Besseres als ein Penner ein? Ein ungewaschener, verlauster, nach billigem Rotwein schmeckender Obdachloser???"

"Ach ja...und was dürfte ich dann für Graf Rotz kredenzen? Die Prinzessin von Transsilvanien?"

"Hm ja, die war lecker..." schwelgte Willi in alten Erinnerungen. Dann besann er sich. "Ich hätte gerne mal wieder einen kreischenden Teenager."

Genießerisch verdrehte er die Augen.

"Verdammt." sagte er plötzlich.

"Was ist los?"

"Meine Augen. Ich kann sie nicht mehr zurückdrehen. Und jetzt starre ich mir permanent über meine linke Schulter."

"Ist doch cool." sagte Horst grinsend. "Da kannst du immer sehen was hinter dir passiert."

"Lass den Blödsinn. Das ist kein Witz."

"Es ist aber so lustig wie ein Witz." gackerte Horst und schlug sich vor Vergnügen auf den Oberschenkel, wobei sich eine dicke Eiterbeule öffnete und ihren Inhalt mehrere Meter weit in der Gegend verspritzte.

"Sieh mal..." sagte Horst "In das Loch kann ich meine ganze Faust stecken..."

"Anstatt mit deinen Beulen zu spielen könntest du mir vielleicht lieber mit meinen Augen helfen..." nörgelte Willi.

"Ok, zeig mal her. Ich dreh deine Augen wieder zurück"

"Hast du saubere Finger?"

Horst besah sich seine Hände, an denen der Dreck von Jahrhunderten klebte.

"Klaaar..."

Er drückte und drehte an Willis Augäpfeln herum.

"Sei vorsichtig!!!" brüllte Willi.

"Gut, ist es so besser?"

"Nein, zum Teufel, ich schiele."

"Stimmt, das sieht zum totlachen aus. Also, warte...so...jetzt aber..."

Willi atmete auf und Horst erhob sich langsam .

"Ich verdrück mich unter meinen Rhododendron. Bis die Tage dann..."

"Joa, bis die Tage und danke nochmal."

Als Horst wenig später in der feuchten, kalten Erde lag und in seiner Nase puhlte, lachte er plötzlich kurz auf.

"Ich bin aber auch ein Idiot." sagte er und schüttelte den Kopf "Ich hätte ihm ein Auge klauen sollen. Ist zwar nicht das Gelbe vom Ei aber schmeckt bestimmt besser als diese muffigen Kellerasseln."

Dann sagte er nichts mehr sondern starrte stumm in die Dunkelheit und träumte von einer großen Portion Dünndarm mit Tomatensauce.
9.4.10 19:59


Höllisch

"Herrgott im Himmel." schnaubte der Teufel wütend "Heute ist Sonntag, da will ich meine Ruhe."

Er drehte sich auf die Seite, zog die Decke aus Kamelschamhaar bis über seine Nase und versuchte wieder einzuschlafen.

Da klopfte es erneut zaghaft an der Schlafzimmertüre.

"Komm rein." brüllte der Teufel und tröstete sich mit dem Gedanken, den Störenfried gehörig zu bestrafen.

200 Jahre Einzelhaft in einem kochenden Lavasee würden es mindestens sein.

Langsam öffnete sich die Türe und auf allen Vieren rutschte ein Unterteufel 11. Klasse ins Zimmer, krabbelte bis vor das Bett und begrüßte seinen Boss, indem er mehrmals seine Stirn auf den Boden schlug.

"Pass mit deinen Hörnern auf, du Trottel, du zerkratzt mir ja mein ganzes Parkett." meckerte der Teufel und beschloss, für jeden Kratzer die Strafe um 100 Jahre zu erhöhen.

Und gnade ihm Gott, wenn es keinen wirklich guten Grund gegeben hatte ihn zu wecken.

Wenn es um Strafen ging, war er gerne großzügig.

"Oh Mephistopheles, es gibt Ärger." meldete der Unterteufel "Eure Großmutter, sie...aber seht am Besten selbst..."

"Nun sag schon was los ist, ich werde dir schon nicht den Kopf abreißen." knurrte der Teufel, obwohl er genau das vorhatte, falls es eine Hiobsbotschaft wäre.

"Sie verlangte heute früh Brunstpillen...12 Stück an der Zahl, oh Satanas, und..."

"Und ihr habt sie ihr doch hoffentlich nicht gegeben?"

Der Unterteufel zuckte hilflos mit den Schultern.

"Was hätten wir tun sollen, oh Luzifer? Ihr wisst ja, wie unangenehm sie sein kann. Ausserdem ist sie Eure Großmutter..."

"Hat sie die Pillen geschluckt?"

"Ja...und dazu 8 Liter Schwefelschnaps. Oh Herr, es ist grauenhaft..."

Dem Teufel stand der Angstschweiß auf der Stirn.

Eine einzige Brunstpille würde ausreichen um 10.000 alte Betschwestern für einen Monat in eine Horde nymphomaner Flittchen zu verwandeln und seine Großmutter hatte derer Zwölf gehabt.

"Ich komme..." sagte er und schwang sich aus dem Bett "Und bevor ich es vergesse...400 Jahre Lavasee."

"Ich danke Euch für Eure Gnade, oh Verderber der Menschheit." hauchte der Hilfsteufel und kroch rückwärts aus dem Zimmer.

Der Teufel eilte unterdessen hinüber in die Hölle.

"Au weia..." schnaufte er "Hier ist ja der Teufel los."

Er hastete eine endlose Schlange aus Verdammten entlang und je mehr er sich dem Kopf näherte um so verzweifeltere Gesichter machten sie.

Unzählige Hilfsteufel trieben die Unglücklichen mit glühenden Gabeln langsam vorwärts.

Endlich erreichte der Teufel den Anfang der Schlange.

Seine Großmutter lag nackt auf ihrem Bett, die Hörner glühten, ihre gewaltigen Brüste, zu deren Behandlung jeweils 10 Männer nötig waren, bebten und ihr langer, schwarzer Ziegenbart zitterte vor Erregung.

"Die nächsten 50..." keuchte sie und wedelte mit ihren Hufen in der schweißgetränkten Luft herum.

"Oma..." quietschte der Teufel "Was, um Himmels Willen, machst du da?"

"Das nennt man Gang Bang."

"Ich weiss, was ein Gang Bang ist, Oma. Ich habe das schließlich erfunden." antwortete der Teufel ungeduldig "Aber warum???"

"Weil heute mein Geburtstag ist. Du hast ihn doch hoffentlich nicht vergessen?"

"Wie könnte ich?" log der Teufel und gab seiner Oma ein Küsschen zwischen die Hörner "Herzlichen Glückwunsch und die nächsten 1000 gehen auf meine Rechnung."

"So ein guter Junge..." dachte Omi als ihr Enkel das Schlafzimmer verlassen hatte.

Dann winkte sie den Hilfsteufeln.

"Weiter gehts, ich habe noch eine Menge vor."

Der Teufel kehrte in sein Schlafzimmer zurück und legte sich auf das Bett.

Er kratzte sich zwischen den Beinen und überlegte, ob er sich 2 oder 3 Brunstpillen und ein paar Hundert Jungfrauen kommen lassen sollte, aber so richtig Lust hatte er nicht.

"Ich glaube, ich werde langsam alt." seufzte er.

Dann verkroch er sich unter dem Bettzeug und versuchte die Erinnerung an das, was er da gerade gesehen hatte, zu verdrängen.

"800 Jahre Alpträume." murmelte er beim Einschlafen "Mindestens..."

11.4.10 13:16


Nur ein Traum...

 "Holla..." dachte Batman und sah Catwoman bewundernd an.


Ihr Dress aus eng anliegendem Leder, die Katzenmaske, die Peitsche in ihrer Hand, ließen ihn wieder einmal die Tatsache verfluchen, dass sie sich für unterschiedliche Auslegungen des Gesetzes entschieden hatten.

Während sie auf den Pfaden des Verbrechens wandelte, war er unbeirrbar gesetzestreu, unbestechlich und scheinbar resistent gegen die Erotik und Verlockung ihrer geschmeidigen Bewegungen.

Tatsächlich aber war er überwältigt und gefesselt von ihrem Anblick.

Mit langsamen Schritten kam sie auf ihn zu, blieb dicht vor ihm stehen und er roch ihr aufregendes Parfüm, dann, als ihre Lippen fast die seinen berührten, ihren Atem und als sie ihre linke Hand auf seine Brust legte durchzuckte es ihn wie ein Blitz und er wünschte sich nichts sehnlicher als einmal schwach werden zu können.

Er war in ihre Falle getappt und alle Anstrengungen sich zu befreien hatten sich als nutzlos erwiesen.

Nun stand er, an Handgelenken und Fußknöcheln fixiert, wehrlos und ausgeliefert in einem feuchten Gewölbe, das nur durch zwei Fackeln in ein unruhiges, irreales Licht getaucht wurde.

Mit dem Nagel ihres Zeigefingers schlitze sie sein Kostüm von oben bis unten auf und ritzte leicht seine Haut.

Dann zog sie es auseinander und Batmans Atem ging hörbar schneller.

Ihre Hände wanderten von seinem Hals abwärts, tiefer und immer tiefer und er schloss die Augen, sämtliche Nerven schienen dort zu enden, wo ihre Fingerspitzen seine nackte Haut berührten.

Um dann, knapp unterhalb seines Bauchnabels, stoppte ihre Bewegung und ihre Fingernägel zogen sich zurück.

Die Augen weiterhin geschlossen hörte er einen Reißverschluss sich langsam öffnen, er hörte das Geräusch von kühlem Leder das über heiße Haut glitt und dann zu Boden fiel.

Seine Lippen zitterten, ein leichter Schweißfilm bildete sich auf seiner Stirn und seine Erregung hatte unübersehbare Dimensionen angenommen.

Batman betete.

Er betete darum erneut ihre Fingernägel zu spüren, ihre Zähne in seinem Fleisch, ihren Körper an seinem Körper.

Und dann...endlich...

In diesem Moment erwachte Batman und war nicht mehr Batman sondern nur noch Bruce Wayne, der in seinem Bett lag.

Er sah in die Dunkelheit und lauschte den leisen, regelmäßigen Atemzügen neben sich.

Dann setzte er sich leise auf die Bettkante und zündete sich eine Zigarette an.

Müde rieb er sich die Augen.

"Hattest du wieder diesen Traum?" fragte eine Stimme in seinem Rücken. "Hast du wieder von IHR geträumt?"

Er nickte, obwohl das Nicken in der Finsternis nicht zu sehen war.

Ein Arm legte sich um seine Schultern und Lippen pressten sich auf seine Lippen.

Lustlos erwiderte er den Kuss.

"Was ist los?" fragte Robin und seine Stimme klang traurig "Verwandelt sich meine kleine Fledermaus in eine Hete?"

"Ach, lass mich in Ruhe, du Tucke." sagte Bruce Wayne, zog sein Kostüm an und wurde wieder zu Batman.

Er stieg ins Batmobil und fuhr hinaus ins nächtliche Gotham City um seinen Frust loszuwerden und ein paar Penner zu verprügeln...
 
13.4.10 12:13


Schwarze Sonne

"Das Feuer geht aus." rief Punjel "Was sollen wir tun? Du kannst nichts mehr erschaffen, wenn wir nichts sehen."

"Ich mache das Feuer morgen früh wieder an. Wenn ich dann die Menschen erschaffen habe, werden sie es Sonne nennen." sagte Baiame "Das Feuer wird jeden Abend aus- und jeden Morgen angehen. Die Menschen werden wissen, dass sie aus ihrem Schlaf erwachen müssen, wenn die Sonne kommt."

"Was ist Schlaf?" fragte Punjel.

"Es ist wie der Tod, aber es ist nicht der Tod." erklärte Baiame "Das Leben macht die Menschen müde. Sie müssen sich vom Leben ausruhen."

"Wie merkwürdig." sagte Punjel.

Eine ewig lange Zeit hielt Baiame diesen Zyklus von Tag und Nacht aufrecht, bis er irgendwann einfach keine Lust mehr hatte.

"Wieso machst du das Feuer heute früh nicht an?" fragte Punjel.

"Ich mag nicht mehr." antwortete Baiame "Die Menschen langweilen mich. Lass uns eine neue Welt suchen und ganz von vorne anfangen."

"Wie du willst." sagte Punjel und sie erhoben sich und gingen davon.

...

Als ich an diesem Tag erwachte war irgendwas anders als sonst.

Es war noch dunkel.

Ich knipste das Licht an und sah auf die Uhr.

"Hm...halb 10 durch...kann ja wohl nicht sein." murmelte ich und stand auf um hinauszusehen.

Kein Zweifel, es musste noch mitten in der Nacht sein.

Trotzdem standen Menschen auf der Strasse, redeten aufgeregt miteinander und deuteten immer wieder auf den Himmel.

Ich zog mich an und ging hinaus.

Und dort erfuhr ich, dass offensichtlich die Sonne nicht aufgegangen war.

"Ihr spinnt doch." sagte ich und tippte mir mit dem Zeigefinger an die Stirn "Das würde ja bedeuten, dass die Erde nicht mehr rotiert und wir hier ständig Nacht hätten und die Asiaten ständig Tag."

"Ach ja? Dann schalte doch mal den Fernseher ein, du Schlaumeier. Es ist Nacht auf der GANZEN Welt."

"Das ist völlig unmöglich."

"Kann ja sein. Nur schade, dass die Sonne davon nichts weiss."

Ich ging zurück in meine Wohnung und knipste den Fernseher an. Auf allen Kanälen Sondersendungen.

Die Sonne war tatsächlich erloschen und dann, aufgrund des fehlenden Gasdrucks, unter ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammengestürzt und lag nun, kalt und tot, als schwarzer Zwerg im All.

Innerhalb weniger Stunden wurde es kalt.

Und damit meine ich RICHTIG kalt.

In meiner Wohnung waren es 12 Grad unter null.

Gas- und Wasserleitungen waren längst eingefroren.

Dann fiel der Strom aus und es herrschte Finsternis.

Ich setzte mich, in drei Lagen Kleidung und mehrere Decken gehüllt, vor den Herd und verbrannte im Backofen meine Bücher, ein paar Möbel und was sich sonst an brennbarem Material fand.

Draussen war die Temperatur weiter gefallen.

Die Fensterscheiben hatten dem Sturm nicht mehr standgehalten und Schnee, durchsetzt mit nadelspitzen Eiskristallen, fegte durch meine Räume.

Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr. Ich legte kein Holz mehr nach und sah zu wie das Feuer im Backofen langsam ausbrannte.

Ich ging in mein Schlafzimmer, dessen Fenster ich mit einem leeren Bücherregal verbarrikadiert hatte, so dass es schneefrei geblieben war, zog mich aus und legte mich ins eiskalte Bett.

"Wenigstens soll erfrieren ja gar nicht so schlimm sein." sagte ich und rollte mich zusammen.

Während meine Körperfunktionen immer langsamer wurden dachte ich an einen warmen Sommertag vor langer Zeit und freute mich darauf, endlich schlafen zu können.


14.4.10 09:50


Paranormal

Zugegeben, ich habe nicht studiert und bin sicherlich nicht der klügste Mensch der Welt.

Aber ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen.

Und ich wäre niemals auf die Idee gekommen, diesen karierten Blödsinn von Hellsehen, Horoskopen und Wiedergeburt zu glauben.

Es war deshalb ein schwerer Schlag für mich, als ich herausfand, dass meine Frau total auf diesen Schwachsinn abfuhr und wäre fast durchgedreht, denn wer möchte schon mit einem Hirni verheiratet sein?

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt." zitierte sie, um mir zu zeigen, dass sie ein Jahr länger zur Schule gegangen war als ich.

Als Antwort zeigte ich ihr einen Vogel.

Wenn ich etwas nicht vertragen kann, so sind das naseweise Emanzen.

Aber sie ließ nicht locker. Tag und Nacht quälte sie mich mit Spuk-Spinnereien.

Sie brachte Bücher über Papapsychologie nach Hause, ich steckte sie in den Ofen.

Sie stellte den Fernseher an, als eine Sendung über Esoterik lief und ich warf den Glotzkasten aus dem Fenster.

Einmal brachte sie sogar einen Kerl mit "übersinnlicher Begabung" mit. Ich gab ihm sofort einen Magenhaken, dass er in sich zusammenfiel wie ein Kartenhaus.

Verdammte ESP-Tunte.

"Wehr dich nicht gegen die Wahrheit." sagte sie, als ich ihre Haare anzündete und "Schei nischt scho schtur." nuschelte sie, als ich ihr den Mund mit einem Pflaster verklebte, um endlich einmal Ruhe im Haus zu haben.

Eines Tages zeigte sie mir die Anzeige in einer Eso-Zeitschrift, in der Freiwillige für ein Psycho-Experiment gesucht wurden - für Geld.

Meine Frau fragte mich, ob wir daran teilnehmen wollten.

"Warum nicht?" antwortete ich "Wenn diese Typen so doof sind, dafür gutes Geld auszugeben..."

Darüber war sie so sprachlos, dass ihr der Mund offenstand.

Am nächsten Tag fuhren wir zu diesem Schwachsinns-Institut.

Bei dem Experiment ging es darum, ob Leute, die sich schon lange kennen, gegenseitig die Gedanken lesen können.

"Ja." sagte meine Frau und ich gähnte nur, um den Typen zu zeigen, wie sehr ich sie verachtete.

Und dann ging es los.

Sie steckten mich in einen Verschlag und gaben mir ein Kartenspiel, meine Frau kam in eine andere Kammer, so dass wir uns nicht sehen konnten.

Meine Aufgabe war es nun, mich auf eine Karte zu konzentrieren und sie sollte die Karte in Gedanken "sehen".

Na schön, ich konzentrierte mich so sehr, dass ich fast einschlief.

Um mich wachzuhalten drückte ich auf die Klingel um mir ein Bier servieren zu lassen.

Das Mausi, das das Bier brachte, warf mich fast um.

Mannomann...wow.

Gebaut wie eine Million Euro und Kurven wie ein Rennpferd.

Heiliger Bimbam.

Als sie wieder abgesaust war, konnte ich mich natürlich nicht mehr auf die dämlichen Karten konzentrieren, sondern ich stellte mir vor, was wir alles anstellen könnten...im Mondschein...auf der Gartenbank.

Ich war mitten im schönsten Denken, als plötzlich die Türe aufgerissen wurde und meine Frau hereinstürmte, wild wie ein nasses Huhn.

"Das werde ich dir austreiben...DU LUSTMOLCH." brüllte sie und knallte mir einen Stuhl über den Schädel.

Dann sank sie in sich zusammen.

"Wieso denkst du sowas nie über mich?" schluchzte sie während ich den Abendstern 1000 Mal aufgehen sah.

Und gleichzeitig ging mir auf, das Miststück hatte tatsächlich meine Gedanken gelesen.

Plötzlich schämte ich mich für meine Skepsis.

Ich sah meinen Irrtum ein, wurde ein Bekehrter, ein Glaubender, meine Seele war so offen wie meine Kopfhaut (die mit 12 Stichen genäht werden musste).

Und ich wusste, dass dieses Erlebnis alles verändern würde...mein Leben, mein Denken, meine Ehe.

Und das hat es auch.

Denn meine Frau sah ich danach nur noch ein einziges Mal wieder.

Bei unserem Scheidungstermin.

 

15.4.10 10:47


Jammerlappen

 
Meinen kleinen Grippeanfall habe ich weggesteckt wie ein echter Kerl, habe qua-si so gut wie gar nicht gejammert und mir selbst auch nicht mehr leid getan als sonst.

Denn wenn ich mal eins niemals mache, dann ist das mich selbst zu bemitleiden.

Obwohl...

Verdient hätte ich es ja schon und zwar mehr als jeder andere Mensch und vor allem mehr als diese Jammerlappen, die ständig mit weinerlicher Miene herumlaufen und allen und jedem ihr Leid verkünden.

Da triffst du z.B. jemanden beim Einkaufen.

Weil du höflich bist und nicht etwa weil es dich wirklich interessiert, fragst du wie es denn so ginge.

Die Antwort ist dann ein gedehntes "Och joooooooooo..." wozu sich der Gesichtsausdruck simultan in die Länge zieht und den Eindruck vermittelt, der/die Betreffende hätte Verstopfung und am Morgen schlecht gekackt.

Meist begehst du dann den Fehler zu fragen, was denn los wäre, worauf zuerst ein mitleidheischendes "Neeeeeeeee...alles in Ordnung" folgt und dann eine mehr als detaillierte Schilderung dessen, wie übel die Welt dieser bedauernswerten Person mitgespielt hat.

Angefangen vom Ziehen im linken Bein bis hin zu den unfreundlichen Nachbarn und der vergeblichen Suche nach dem Mann/der Frau fürs Leben.

Inzwischen hasst du dieses Weichei wie die Pest und vor allem hasst du dich selbst, weil du mal wieder die Klappe nicht halten konntest.

Während du so tust, als würdest du weiter zuhören, verlieren sich deine Gedanken irgendwo zwischen der angenehmen Vorstellung deiner Faust im Gesicht dieses Warmduschers und der Planung des nächsten Wochenendes.

Wenn du damit durch bist, ist der Punkt erreicht an dem du dich in eine verbale Lücke schiebst und irgendwas Tröstendes sagst, etwa sowas wie: "Na prima, schön dass bei dir alles in Ordnung ist" und lässt sie/ihn da stehen wie einen Schluck lauwarmes Wasser.

Ich finde, es ist ein gutes Gefühl, ein offenes Ohr für die Wehwehchen seiner Mitmenschen zu haben, aber ein noch besseres Gefühl ist, wenn man es nicht hat.

Denn, hat etwa einer dieser Ignoranten Mitleid mit dir?

Eben...

17.4.10 15:27





Designed by Raumkraut

Gratis bloggen bei
myblog.de